Der Spion, der mich hörte

with Keine Kommentare
sicherheit photo
Photo by Skley

Um ein Handy abzuhören, brauchte eine dazu legitimierte Organisation bisher die Zustimmung der Regierung. Aus Spaß an der Freude und zur Abendunterhaltung war es nicht möglich – bisher. Denn die Geheimdienste NSA sowie GCHQ haben angeblich jegliches System unterwandert und nahezu freien Zugang.

Dabei möchte ich mich gar nicht lange mit einer Diskussion darüber aufhalten, ob das sinnvoll ist oder nicht. Da mag es verschiedene Meinungen geben, aber ich für meinen Teil finde es nicht sonderlich witzig, wenn irgendein durch Paranoia getriebener kleiner Beamter mithören kann, was ich mit anderen Leuten bespreche – das ist Privatsache.

Wie die Welt unter Bezugnahme auf das Investigativ-Portal The Intercept berichtet, weitet sich der Skandal um die Abhöraktivitäten der NSA nämlich immer weiter aus. Zentraler Punkt ist, dass die beiden oben genannten Geheimdienste mit Gemalto den weltweit größten Hersteller von SIM-Karten attackiert haben.

Abhören ohne Erlaubnis

Wie areamobile schreibt, soll auch der deutsche Konkurrent Giesecke & Devrient zu den Opfern gehören und die Folgen sind erschreckend. Denn was bedeutet es, wenn zwei Geheimdienste diverse Hersteller attackieren? Was genau wird sich davon versprochen und was sind die Folgen für alle Personen, die SIM-Karten der Unternehmen besitzen?

„SIM-Karten sind der Vertrauensanker aller Sicherheitsvorkehrungen in Mobilfunknetzen“, sagte Linus Neumann vom Chaos Computer Club (CCC) gegenüber der Welt. Und hier liegt auch die Crux. Denn durch diesen Schachzug ist es nicht mehr vonnöten, sich umständlich eine Erlaubnis einzuholen, jemanden abhören zu wollen.

 Gemalto hat mehr als 450 Kunden weltweit

„Wer im Besitz der auf den SIM-Karten gespeicherten Krypto-Schlüssel ist, kann alle Telefonate der betroffenen SIM-Karten abhören. Das betrifft sowohl zukünftige und auch in der Vergangenheit aufgezeichnete Gespräche“, so Neumann weiter. Damit sind eingebaute Sicherheitsmaßnahmen komplett obsolet.

Zwei weitere Punkte sind sehr interessant. Denn Technologien wie UMTS oder LTE sind keine Hürde mehr. Sie zu knacken hat somit den Schwierigkeitsgrad einer Vorwärtsrolle beim Kunstturnen. Zudem muss man laut des CCC sich nicht vor Ort befinden, sondern könne weltweit ohne Risiko abhören.

Mittagessen bei der NSA? Höre ich mir auch wohl an

Hört sich schlimm an, ist auch schlimm. Sollten die Informationen stimmen, ist das Ende der albtraumesken Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Denn auch die Chips von elektronischen Personalausweisen könnten betroffen sein. Die dort übertragenen Informationen  dürften so auch nicht als sicher angesehen werden.

Gemalto produziert jährlich zwei Milliarden SIM-Karten

Das Handelsblatt hat scheinbar versucht, von der GCHQ sowie der NSA Stellungsnahmen zu bekommen. Überraschenderweise äußerten sich beide Stellen nicht zu den Berichten. Soll man nun seine SIM-Karte wechseln? Nein, denn es könnte auch die Endgerätekennungen (IMEI) der Handys ausgespäht worden sein.

Das Bedeutet, dass es selbst nach dem Wechsel einer SIM-Karte möglich ist, sein Ziel weiter zu verfolgen. Tja, willkommen in der gläsernen Welt. Um es erneut zu betonen: Mir persönlich geht es nicht darum, dass jemand vielleicht weiß, was ich morgen einkaufen werde. Aber dann will ich im Gegenzug auch die Möglichkeit haben, zu hören, was in der NSA-Kantine so los ist.